Buchrezension: „Kriegsenkel“ von Sabine Bode

Kriegsenkel von Sabine Bode

Die Erben der vergessenen Generation

Buchrezension: "Kriegsenkel" von Sabine Bode

Buchrezension: „Kriegsenkel“ von Sabine Bode

In der letzten Zeit habe ich mal wieder ein paar interessante Bücher verschlungen. Dazu gehörte auch „Kriegsenkel“ von Sabine Bode. Ist vielleicht nicht so das Thema, was junge Familien interessiert. Ich beschäftige mich auch nicht so gerne mit der Vergangenheit bzw. dem 2. Weltkrieg. Irgendwie gibt es Wichtigeres in der Gegenwart, gerade mit Kind. Außerdem lebe ich zukunftsgewand. Die Vergangenheit kann man nicht ändern. Aber wie sie uns prägt, ist vielen gar nicht bewusst.

In einem Seminar, wo es darum ging, wie sehr uns die eigene Erziehung beeinflusst im Umgang mit den eigenen Kindern, ging es auch um die Vergangenheit der Eltern und Großeltern. Ich wurde Zeugin von Familienaufstellungen, wo die Großväter mit Kriegserfahrung innerhalb der Familien überwiegend psychisch und geistig gar nicht anwesend waren. Was hat das für einen Einfluss auf die Kinder und die Enkel? Solche Kriegstraumata können ihre Spuren bis in die übernächste Generation hinterlassen. Zu der übrnächsten Generation würde ich mich zählen, zu den Kriegsenkeln.
Meine Eltern wurden noch im Krieg geboren. Meine Mutter wuchs auf einem Bauernhof auf und bekam zum Glück wenig mit vom Krieg. Aber mein Vater wurde ausgebombt und hüllte sich in Schweigen. Außerdem verlor er seine Schwester als Kind im Krieg. Irgendwie wurde das immer verheimlicht in der Familie bzw. nicht thematisiert.

Das Leiden der Kriegsenkel

Jetzt habe ich das Buch Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation gelesen und kann mich in vielen der vorgestellten Kriegskindern wiederfinden. Als Kriegskinder bezeichnet die Autorin die Generation der zwischen 1960 und 1975 Geborenen. Ich kann mich selbst daran erinnern, wie wichtig es war, dass man den Teller aufgegessen hat als Kind. Lebensmittel waren immer wichtig, bloß nichts verkommen lassen. Und dann diese Sparsamkeit. Und sich selbst nichts gönnen.
Sabine Bode hat viele Kriegsenkel interviewt. Ich glaube, für alle interviewten Betroffenen gilt wohl, dass ihre Eltern sich nie offen der Vergangenheit und den erlebten Traumata stellen konnten. Damals gab es noch keine Traumatherapie und auch keine Psychotherapeuten, die sich mit so etwas auskannten oder jemals in Betracht zogen, dass Probleme ihre Ursache im 2. Weltkrieg haben könnten. Die Kriegskinder haben geschwiegen oder schweigen noch, falls sie noch leben.

Mir ist einiges klar geworden durch die Lektüre. Aber auf der anderen Seite bin ich von dem Buch auch enttäuscht. Sabine Bode reiht in ihrem Buch Interviews mit Kriegsenkeln auf. Ich hätte mir eher eine tiefergehende Analyse erhofft. Einzelne Schicksale werden vorgestellt. Es ist auch nicht wirklich nachweisbar, ob die Probleme der Kriegskinder in Bezug auf die Kriegsenkel immer im 2. Weltkrieg begründet sind.
Auf jeden Fall ist es schlimm, dass die Kriegskinder überwiegend ihre Erfahrungen und Traumata aus dem Zweiten Weltkrieg verschweigen. Mund halten und funktionieren. Alles verdrängen. Klar, der Opa mit der Nazi-Vergangenheit wollte sich sicherlich nicht outen. Und die Omas,  die von der Roten Armee vergewaltigt wurden, schweigen aus lauter Scham. Für die jüngere Generation wäre es von Vorteil, wenn die Kriegskinder sich öffnen würden. Falls sie noch leben.

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2 Comments

  1. Ich finde solche Bücher auch immer spannend. Hab vor ein paar Jahren mal ein Buch lektoriert, das sogar einen ganz ähnlichen Titel hat: „Kriegskinder“ Ich finde es immer interessant zu lesen, was diese Menschen bewegt und wie sie ihre Traumata verarbeiten. Und ich finde es schade, dass so viele ältere Menschen das Thema ausklammern und verdrängen, anstatt es zu verarbeiten. 🙁

    • Hallo Sandra,
      danke für Deinen Kommentar. Das Buch „Kriegskinder“ hat ja auch Sabine Bode geschrieben. Ich glaube, die alten Menschen mit dem Kriegstraumata haben es nicht gelernt, über so etwas zu sprechen. Sie verdrängen es lieber und wollen ihre Angehörigen damit nicht „belästigen“.

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